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GESCHICHTE

Die bewegte Geschichte der Spanischen Hofreitschule

Bereits im Jahr 1559 lagen Baupläne für die Stallburg, unumstritten Wiens wertvollster Renaissancebau, vor. Die eigentlichen Hofstallungen dürften 1560 fertig gestellt und dann 1565-1569 nochmals umgestaltet worden sein. Ursprünglich war die „Maximiliansburg“, wie die Stallburg auch genannt wurde, als Residenz für Maximilian II vorgesehen, als er aber 1564 den Thron bestieg, war das Gebäude noch nicht fertig und so bezog er die alte Hofburg. Bis heute beherbergt die Stallburg 72 der edlen Lipizzanerhengste der Spanischen Hofreitschule.

1565

Im Jahr 1565 wird von einem vor der Stallburg gelegenen „Ross-Thumblplatz“ berichtet, der aber nicht überdacht und damit das Reiten bei schlechtem Wetter unmöglich machte.

1572

Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1572 und liegt in Form einer Rechnung über eine Holzlieferung für die Errichtung einer Reithalle aus Holz vor.

1580

Erzherzog Karl II. von Innerösterreich gründete das Hofgestüt Lipizza auf dem Karst bei Triest, welches er mit importierten Pferden aus Spanien bestückte

1681

Mehr als hundert Jahre später entschloss sich der kunstsinnige Kaiser Leopold I. „zu Wien auf dem Tumblplatz eine neue Reitschuel“ errichten zu lassen. Es wird berichtet, dass im Jahre 1683 das Gebäude fast fertig war, als die Türkenkriege losbrachen und die Reitschule in der Folge schwer beschädigt wurde.

1735

Erst unter Kaiser Karl VI begann man 1729 erneut mit dem Bau einer Reitschule. Im Jahre 1735 wurde das berühmte Gebäude von Josef Emanuel Fischer von Erlach fertig gestellt. Es ist bis heute in seiner ursprünglichen Form erhalten und gilt als die schönste Reithalle der Welt. Seither werden an der Spanischen Hofreitschule fast ausschließlich Hengste aus dem Karster Hofgestüt (Lipizza) verwendet, die bis 1780 als „Spanische Karster“ und erst dann als „Lipizzaner“ bezeichnet wurden.

1740

Unter Maria Theresia, die 1740 den Thron bestieg, wurden in der Winterreitschule zahlreiche Karussells, Maskenfeste, Reiterspiele und Hofbälle gefeiert.

1800

Die Spanische Hofreitschule, wie man sie heute kennt, gibt es seit dem 19. Jahr¬hundert. Die Zeit des Wiener Kongresses (1814 – 1815) brachte mit ihren internationalen Staatsgästen neue Impulse. Die Französische Revolution und die Napoleonischen Kriege führten mit Ausnahme der Spanischen Hofreitschule in ganz Europa zum Ende jener Institute, die sich der klassischen Reitkunst verpflichtet fühlten. Seit dieser Zeit ist Wien der einzige Ort, an dem die Hohe Schule der klassischen Reitkunst ohne Unterbrechung ihre Tradition bis zum heutigen Tag fortführt.

1848

Im Revolutionsjahr 1848 tagt der erste Reichstag der Monarchie in der Winterreitschule

1867

Als Kaiser Franz Josef am 8. Juni 1867 auf dem Krönungshügel in der Nähe von Budapest zum König von Ungarn gekrönt wurde, ritt er den Lipizzanerhengst Maestoso Cerbero.

1898

Die grundsätzlichen „Directiven“, die das gesamte mündlich überlieferte Wissen um die Reitkunst an der Spanischen Hofreitschule umfassen, werden erstmals von Feldmarschall Franz Holbein und Oberbereiter Johann Meixner niedergeschrieben.

1919

Nach dem 1. Weltkrieg sicherte die weiterhin treu im Dienst verbliebene Reiterequipe mit großem persönlichem Einsatz ihres Wortführers Mauritius Herold den Fortbestand der Schule, die nun dem Landwirtschaftsministerium unterstellt wurde. Eineinhalb Jahre nach Kriegsende fand die erste öffentliche Vorführung statt. Seit 1920 finden die Lipizzaner in Piber (Weststeiermark) ihre neue Heimat.

1925

Rudolf Graf van der Straten, nach dem Weltkrieg der erste Leiter der Reitschule, machte sie u.a. durch Gastspielreisen ins Ausland so populär, dass es zu einem nationalen und internationalen Aufschrei kam, als 1925 die Einstellung des Betriebes überlegt wurde.

1938

Kurz nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht im März 1938 trat van der Straten zurück. Neuer Leiter wurde der aus dem österreichischen Bundesheer in die deutsche Wehrmacht übernommene Major Alois Podhajsky (1939 – 1964), Bronze-Medaillengewinner bei der Olympiade 1936 und erfahrener Dressurfachmann. Alois Podhajsky gab sein gesamtes Wissen in dem Werk „Die klassische Reitkunst“ weiter, das bis heute ein Standardwerk der Dressurreiterei ist. Im Jahr 1945 wurden die Schulhengste der Spanischen Hofreitschule und die nach Böhmen evakuierte Stutenherde des ehemaligen Bundesgestüts Piber in St. Martin (Oberösterreich) zusammengeführt und danach nach Wels bzw. Wimsbach (Oberösterreich) gebracht. Zehn Jahre später – 1955 – kehrte die Spanische Hofreitschule in ihr angestammtes Zuhause in der Wiener Hofburg zurück und die erste Vorführung fand am österreichischen Nationalfeiertag, der damals erstmals gefeiert wurde, am 26. Oktober 1955, statt.

1972

Oberst Hans Handler folgte im Jahr 1964 Oberst Alois Podhajsky nach. Unter seiner Leitung feierte man 1972 das 400-Jahr-Jubiläum. Am 2. Oktober 1974 stürzte Handler während der Vorführung tot von seinem Hengst Siglavy Beja. Sein Nachfolger wurde sein langjähriger Stellvertreter, Oberstleutnant Kurt Albrecht. Er erreichte u. a. eine soziale Besserstellung des reitenden Personals. Darüber hinaus galt sein Bestreben, den gestiegenen Anforderungen des zunehmenden Fremdenverkehrs gerecht zu werden und gleichzeitig das seit Jahrhunderten geforderte Niveau zu erhalten. Im Jahre 1985 trat er in den Ruhestand.

2001

Im Jahr 2001 wurden die Spanische Hofreitschule und das Bundesgestüt Piber in die Gesellschaft öffentlichen Rechts „Spanische Hofreitschule – Bundesgestüt Piber“ umgewandelt. Seit November 2007 leitet – zum ersten Mal seit Bestehen der Hofreitschule – eine Frau die Traditionsinstitution: KR Dkfm. Elisabeth Gürtler.

2008

Am 9. September 2008 hat die Spanische Hofreitschule Wien erstmals in ihrer über 430-jährigen Geschichte zwei Frauen zur Bereiter-Ausbildung aufgenommen.