5 - (C) Lipizzanergestüt Piber

Lipizzanergestüt Piber erhält UNESCO Auszeichnung – Minister Andrä Rupprechter und Josef Ostermayer sowie Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer gratulieren herzlich

Das jahrhundertealte Wissen um die Zucht der wunderbaren weißen Pferde im steirischen Gestüt Piber wurde vor kurzem zum nationalen immateriellen Kulturerbe der UNESCO ernannt.

Die ersten Glückwünsche erreichten das Lipizzaner-Gestüt vom Landwirtschafts- und Umweltminister Andrä Rupprechter, zu dessen Ressort das Gestüt Piber und die Spanische Hofreitschule gehören: „Das umfangreiche Wissen um die Zucht, Haltung und Ausbildung der ältesten Kulturpferderasse Europas ist die Grundlage des weltweiten Erfolgs der Lipizzaner und der Spanischen Hofreitschule. Die UNESCO-Auszeichnung ist nicht nur Würdigung, sondern auch Auftrag, dieses Erbe für die künftigen Generationen zu sichern. Die Lipizzaner sind heute lebendiges Wahrzeichen Österreichs und als edle Botschafter in aller Welt ein hervorragendes Beispiel für ,Best of Austria‘.“

Auch Josef Ostermayer, Bundesminister für Kunst und Kultur, Verfassung und Medien gratulierte dem Gestüt herzlich: „Mit der Aufnahme in das nationale UNESCO-Kulturerbe-Verzeichnis erhalten unsere Lipizzaner die nächste hohe Auszeichnung. Im Dezember wurde die klassische Reitkunst der Spanischen Hofreitschule, eine der österreichischen Kulturtraditionen, als UNESCO Kulturerbe der Menschheit geehrt und heute kann sich das Gestüt in Piber über eine weitere UNESCO Auszeichnung freuen. Die Aufnahme ist eine wichtige Würdigung und Anerkennung, gleichzeitig ist es aber auch eine Verpflichtung für uns, dieses wertvolle Kulturerbe weiter zu pflegen, zu erhalten und zugänglich zu machen.“

Hermann Schützenhöfer, Landeshauptmann der Steiermark, freut sich ebenfalls sehr mit dem Gestüt: „Als Landeshauptmann der Steiermark erfüllt mich diese Auszeichnung der UNESCO für das Lipizzanergestüt Piber mit großem Stolz. Es ist eine Anerkennung der hervorragenden Leistungen, die die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit der Zucht dieser einzigartigen vierbeinigen Kulturbotschafter Österreichs leisten. Die Lipizzaner sind wichtige Träger der österreichischen Tradition und damit auch identitätsstiftend. Das Lipizzanergestüt Piber ist auch für die Steiermark von großer Bedeutung, denn es trägt als beliebtes Ausflugsziel zum Erfolg unseres Landes als „Grünes Herz Österreichs“ maßgeblich bei.“ Die Arbeiten zur Antragsstellung wurden deshalb auch durch das Land Steiermark gefördert.

Elisabeth Gürtler, Generaldirektorin der Spanischen Hofreitschule und des Lipizzanergestüts Piber spricht an dieser Stelle ihrem steirischen Team und der UNESCO ihren Dank aus: „Dies sind großartige Neuigkeiten – erst vor kurzem wurde die Tradition der Klassischen Reitkunst und die Hohe Schule der Spanischen Hofreitschule von der UNESCO zum internationalen Kulturerbe der Menschheit ernannt, und nun folgt die nationale Auszeichnung für das Wissen um die Lipizzanerzucht in unserem Gestüt in Piber. Eine wunderbare Anerkennung des Know-hows unseres großartigen Teams im Gestüt, das die jahrhundertealte Tradition der Lipizzanerzucht täglich mit viel Herz, Leidenschaft und Erfahrung hoch hält. Ein herzliches Danke an die UNESCO und an die großartige Mannschaft!“

Seit der Renaissance wird der Lipizzaner nach traditioneller Art gezüchtet
Der Lipizzaner ist die älteste Kulturpferderasse Europas – die europaweit einzige Repräsentationspferderasse, die seit der Renaissance ungebrochen nach traditioneller Art gezüchtet wird. Dahinter steht ein umfangreiches Wissen um Zucht, Haltung und Ausbildung der Pferde, das seit mehr als 400 Jahren von Generation zu Generation – im Wesentlichen mündlich – weitergegeben wird. Träger dieses Wissens in Österreich sind die MitarbeiterInnen des Lipizzanergestüts Piber, das seit 1920 Lipizzaner für die Spanische Hofreitschule in Wien züchtet.

Know-how zu den Zuchtprinzipien, zur Haltung, Aufzucht und Selektion
„Das für die Zucht der Lipizzanerpferde notwendige Wissen bezieht sich auf Zuchtprinzipien, artgerechte Pferdehaltung und Aufzucht, pferdegerechten Umgang, auf an klassischen Grundsätzen angelehnten Methoden der Ausbildung, aber auch auf die Schulung des Auges und Maßnahmen der Selektion“ erzählt der Gestütsleiter von Piber Dr. Max Dobretsberger. Dieser Wahrnehmungs-, Verarbeitungs- und Schulungsprozess, der Jahre bis Jahrzehnte lange Ausbildung und Erfahrung voraussetzt, beginnt bei der täglichen Arbeit im Stall und setzt sich bis zu den Selektionsentscheiden und letztendlich bis zur Nutzung des Pferdes in der Hofreitschule fort. Aufzeichnungen zur Zucht werden seit mehreren hundert Jahren in Gestütbüchern gemacht. Dies erfolgt bis heute nach alter Tradition handschriftlich und in zweifacher Ausführung.

Muttertagsgala, Almabtrieb und Herbstparade: Identitätsstiftende Feierlichkeiten
Die Aus- und Weiterbildung des Gestütspersonals erfolgt gegenseitig, durch die Arbeitseinteilung des Obergestütsmeisters werden junge MitarbeiterInnen erfahrenen Routiniers zugeteilt, um von deren Wissen zu lernen. Die Ergebnisse der Zucht werden bei der täglichen Visite und bei der Musterung der dreijährigen Pferde, bei der Auswahl von Hengsten für die Hofreitschule und Stuten für das Gestüt sowie bei der Leistungsprüfung von Pferden zur Zulassung zur weiteren Zucht sichtbar. Die jährliche Leistungsprüfung, die Entsendung der Hengste zur Spanischen Hofreitschule in Wien, die jährliche Muttertagsgala und die Herbstparade sowie der traditionelle Almabtrieb der Junghengste zu Herbstbeginn vermittelt dem Gestüt und der gesamten Region ein Gefühl von Identität und Kontinuität.

Neben dem Gestütsbetrieb ist auch der internationale Austausch mit anderen Lipizzanergestüten essentiell, denn ein geschärfter „Züchterblick“ erhält sich nur in der permanenten Auseinandersetzung mit der Gegenwart und der Vergangenheit.

UNESCO zeichnet mündlich tradierte Traditionen und lokales Wissen aus
Seit 2009 ist die Österreichische UNESCO-Kommission mit der Erstellung des Österreichischen Verzeichnisses des Immateriellen Kulturerbes betraut. Es umfasst nun aktuell 90 Traditionen. In Ergänzung zur UNESCO-Welterbekonvention (1972) wird seit 2003 auch den vielfältigen, lokal gelebten Traditionen internationale Aufmerksamkeit geschenkt und unter dem Begriff ‚Immaterielles Kulturerbe’ weltweit von der UNESCO dokumentiert und geschützt. Mehr noch als historische Bauwerke oder Landschaften sind oft diese mündlich tradierten Traditionen und lokales Wissen identitätsstiftend für Gemeinschaften.

Mehr Informationen zum UNESCO Eintrag
http://immaterielleskulturerbe.unesco.at/cgi-bin/unesco/element.pl?eid=137&lang=de

Gesamtüberblick des UNESCO Verzeichnisses Immaterielles Kulturerbe in Österreich:
http://immaterielleskulturerbe.unesco.at/